Recherche: das Fundament von ★

January 10 2016 – David Bowie died peacefully today surrounded by his family after a courageous 18 month battle with cancer.

Diese achtzehn Monate fangen gerade an. Und ehe ich meine Posts zu den Kapiteln tippe, wollte ich an dieser Stelle mal wieder auf die Sache mit den Quellen und der Recherche eingehen. Das war bei dieser Geschichte nämlich wichtiger als je zuvor.

„Moment mal. Januar 2016 minus eineinhalb Jahre – aber Ally, ich dachte, dass das heißt, dass sie den Krebs im Juli schon gefunden hatten!“

Prompt hier mal wieder ein Disclaimer: Ich habe natürlich keine Ahnung. Ich werde auch nicht seine Tochter fragen, wie das war, ich bin nicht von Sinnen.

Wenn man mich Anfang November, als ich angefangen habe zu plotten und zu schreiben, gefragt hätte, wie die Datenlage aussieht, hätte ich spontan gesagt, dass sie dürftig wäre. Ich konnte mich lebhaft an die Fassungslosigkeit erinnern, weil der Tod einfach aus dem Nichts gekommen war. Aber es war nicht so, konnte ich eine Woche harter Arbeit später feststellen. Die einzelne Quelle, instruiert von David vermutlich, sagt wenig, aber jeder sagt zu anderen Themen etwas. Kleinvieh macht auch Mist.

Die Basis von allem ist sehr, sehr langweilig. Es ist eine Tabelle – das, was geblieben ist, nachdem ich mein ganzes Wissen plus meine Fantasie in einen Topf geworfen habe, umgerührt und das ganze heruntergekocht habe auf den Rückstand. Es enthält Spuren von medizinischen Studien und Listen mit Nebenwirkungen, Krankheitsverläufe von Einzelpersonen, die ich nie getroffen habe, aber über die ich im Internet gelesen habe, Interviewzitate von verschiedenen Musikern, Tony Visconti und Lazarus-Mitgliedern, Formalitäten wie wann welcher Song aufgenommen wurde, wann sie im Studio waren, und viel, viel anderes.

Wenn ich mir anschaue, wie viele Datumsangaben in den Zeitraum fallen, den die Geschichte umspannt, komme ich auf 73. 73 Daten, die eine ganze Geschichte auf ihren Schultern tragen. Manche davon sind ausgedacht – auf Basis der echten, recherchierten, die überwiegen. Das Internet ist ein mächtiges und gruseliges Werkzeug.

Die ausgedachten Daten kamen am Ende meiner Woche. Ich hatte ein gewisses unscharfes Gebilde, und in den blanken Stellen musste ja schließlich ein Krankheitsverlauf reinpassen, der mit keiner der Aussagen, die ich darüber gefunden hatte, in Konflikt geriet. Ohne jetzt hier meine Excel-Datei reinzustellen, ich denke, dass ich es recht gut gemacht habe. Ich konnte auf bestimmte Dinge schließen durch medizinische Grundlagen, und so weiter und so fort, und am Ende von allem stand ich da und entweder hat David acht Monate lang Chemo bekommen, oder er hatte sechs Zyklen und hat Anfang Juli erst die ersten Anzeichen (wie die Blutwerte) gezeigt.

Ob es jetzt so war oder nicht – mag Haarspalterei sein (da wir hier sowieso im Bereich einer parallelen Zeitlinie sind, wo Iman und David nicht zusammen sind ;)). Fakt ist aber, für alle die wie ich Wert auf sowas legen: es ist realistisch und könnte definitiv so abgelaufen sein, es gibt zumindest bis heute keine Fakten die meinem Plan widersprechen.

An dieser Stelle ein Rat für jeden Autor von Fiktion: legt euch eine Zeitlinie an. Macht es in Excel (oder noch besser, Excel mit synchronisierten Access-Daten), in einer Form, die euch das Datum in der Weise „Montag, 11.01.2016“ anzeigt, und in der nächsten Spalte das Ereignis. (Oder habt einen Jahreskalender an der Wand, den ihr mit Post-Its bestückt). Notiert euch Geburtstage, Jubiläen, was auch immer, und natürlich die wichtigen Ereignisse. Es ist nicht nur hilfreich, um sich den Verlauf besser vorzustellen, sondern gibt euch außerdem eine Sicherheit, falls ihr relative Datumsangaben machen müsst. Charaktere, genau wie Leute, sprechen wenn nötig oft in solchen Angaben. Sie sagen nicht „am fünften“, sie sagen „letzten Samstag“. Und so weiter und so fort. Eine Tabelle zu führen mag akribisch klingen, aber wenn ihr eine Szene verschiebt, und solche Angaben kommen darin vor und müssen geändert werden, geht es relativ einfach. Es erleichtert, zu erkennen, über welche Passagen man mit ein paar zusammenfassenden Paragraphen hinübergleiten kann. Ihr wisst, welche Jahreszeit in manchen Szenen herrscht*, was für Beschreibungen unheimlich nützlich ist. Ihr wisst zu jedem Punkt, welches Wissen ein Charakter bereits haben kann, was für achronologische Schreiberlinge, die gern und viel editieren und womöglich Szenen verschieben/recyclen essentiell ist, und so weiter, und so fort.

Führt eine Zeitlinie. Wisst, wann was passiert, am Besten noch, ehe ihr anfangt zu schreiben. Notiert, wann off-camera Dinge passieren. Wenn ihr vollkommen gegen die Idee seid und meint, dass ihr es auch so könnt, würde ich euch dennoch raten, es für ein Projekt auszuprobieren, denn es nimmt dem doch manchmal recht beängstigenden Vorhaben „Ich will ein Buch schreiben“ etwas seines Schreckens.

*) à propos Klima und Wetter: Ich habe ein Programm, das mir nach Eingabe des Datums die historischen Wetter-Daten für NYC an diesem Tag ausgibt und es sowohl beim Schreiben von Angelegenheiten der Familie Liljeqvist als auch jetzt exzessiv benutzt, für den offensichtlichen Zweck als auch für Sonnenauf- und -untergangszeiten. Aber das bin nur ich.

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